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Im Garten
Die meisten Menschen leben heute in der Stadt. Die Landschaft ist etwas durch das man hindurch fährt, etwas das man betrachtet, etwas das losgelöst ist von uns, wir sind kein Teil davon.
Ein Garten ist gezähmte, künstliche Landschaft. Eingegrenzt, fest umrissen, in geordnete Wachstumsbahnen gelenkt. Im japanischen Garten ist diese Kultivierung auf die Spitze getrieben, ästhetisiert und reguliert wird die Natur von der Kultur überformt.
Im Augenblick herrscht Ruhe, fast eine Totenstille. Der ferne Fernsehturm wird zum Teil des Gartens. Die kahlen, tiefroten Zweige weisen jedoch, fast bedrohlich spitz, auf ein verborgenes Leben, auf eine andere Dimension.
Die Schnecke, der Feind der Gärtner. Ein »Ungeziefer« uns fremd, so primitiv, so anders, dass es manchen bei ihrem bloßen Anblick schaudert, ganz zu schweigen von der Vorstellung, eine Schnecke berühren zu müssen, geradezu alptraumhaft.
In diesen Selbstporträts ist es die Schnecke, die die Aktion trägt. Sie berührt den Menschen, überwandert ihn, erforscht ihn, wie sie sonst den Garten erforscht und fressend gestaltet. Der Mensch wird für die Schnecke zur Landschaft. Die Schnecken tragen ihr Haus mit sich herum, sie sind sich selbst genug, denn sie bergen beide Geschlechter in sich, sie sind Sinnbild der Zeit, beharrlich voranschreitend.
Das Thema, welches die Bilder von Ulrike Thiele in ihren Serien zeigen ist der Mensch in seinem Verhältnis zur Landschaft. Er ist nicht immer leibhaftig anwesend in den Bildern, doch ist sein Geist immer zu spüren. Dass sie selber in ihren Bildern auftaucht macht ihre Funktion als Mittlerin deutlich. Sie steht zwischen uns und der Landschaft. Wir sehen auf die Bilder der Landschaft und sehen unsere Innenwelt. Sie macht für uns die Erfahrung und durch die Betrachtung ihrer Bilder können wir teilhaben.
Johannes Christoph Moderegger
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